Für Führungskräfte, Vorstände und Gesellschafter

Abfindung erhalten? Der Zeitpunkt entscheidet über fast alles

Eine Abfindung ist selten planbar und immer einmalig. Was mit ihr passiert, entscheidet sich in wenigen Monaten – und der größte Einzelposten ist fast immer die Steuer. Dieser Beitrag zeigt, wie sich dieser Posten in Eigentum verwandeln lässt.

Anwendungsfall · AbfindungVon Marvin GroßkrügerAktualisiert 17. August 202611 Min. Lesezeit

42–45 %

Grenzsteuersatz im Auszahlungsjahr

50 %

der Investition sofort abziehbar

3 Jahre

Zeit bis zur Investition

20 %

Eigenkapital für die Finanzierung

Die Ausgangslage

Warum eine Abfindung steuerlich so teuer ist

Das Problem ist nicht der Steuersatz an sich. Es ist die Konzentration auf ein einziges Jahr.

Eine Abfindung ist steuerpflichtiger Arbeitslohn. Sie fließt in einem Jahr zu und trifft dort auf den vollen Progressionsverlauf. Bei Ledigen greift der Satz von 42 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen von 69.879 Euro, ab 277.826 Euro sind es 45 Prozent. Eine Abfindung von 200.000 Euro landet also praktisch vollständig im oberen Tarifbereich.

Hinzu kommt ein Effekt, den viele erst beim Bescheid bemerken: Seit 2025 wendet der Arbeitgeber die Fünftelregelung im Lohnsteuerabzug nicht mehr an. Auf dem Konto landet der Nettobetrag nach vollem Abzug. Eine mögliche Entlastung nach § 34 EStG kommt erst über die Steuererklärung – und bei hohen Abfindungen ist sie ohnehin gering, weil es keinen Progressionssprung mehr zu glätten gibt.

Das eigentliche ZeitproblemZwischen Auszahlung und Steuerbescheid liegen oft zwölf bis achtzehn Monate. In dieser Zeit liegt das Geld auf dem Konto und fühlt sich verfügbar an. Viele treffen die Anlageentscheidung erst danach – und haben das steuerliche Gestaltungsfenster dann bereits halb geschlossen.

Der Ansatz

Aus Steuerlast wird ein Wirtschaftsgut

Der Investitionsabzugsbetrag senkt dein zu versteuerndes Einkommen im Abfindungsjahr – vorausgesetzt, du hast einen Betrieb, in dem er wirken kann.

Ein Rechenbeispiel

Eine Führungskraft erhält 250.000 Euro Abfindung, das übrige zu versteuernde Einkommen beträgt 60.000 Euro. Ohne Gestaltung liegt die Steuerlast im Auszahlungsjahr bei rund 121.000 Euro einschließlich Solidaritätszuschlag. Wird ein Betrieb gegründet und ein IAB von 100.000 Euro für eine Investition von 200.000 Euro gebildet, sinkt sie auf etwa 76.000 Euro.

Die Differenz von rund 45.000 Euro entspricht mehr als dem gesamten Eigenkapital, das die Bank für ein Projekt dieser Größenordnung erwartet. Die Investition finanziert sich damit im ersten Schritt aus einem Betrag, der in der Alternative abgeflossen wäre.

Wenn du deine eigenen Zahlen einsetzen willst: Der Abfindungsrechner zeigt alle drei Varianten nebeneinander.

1

Betrieb gründen

Ein Einzelunternehmen oder eine Gesellschaft, die die Anlage später hält. Der Aufwand ist überschaubar, die Struktur klärt dein Steuerberater. Ohne Gewinneinkünfte greift § 7g EStG nicht.

2

IAB im Abfindungsjahr bilden

Bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffungskosten, höchstens 200.000 Euro. Der Abzug erzeugt einen Verlust, der mit deinen übrigen Einkünften desselben Jahres verrechnet wird.

3

Projekt auswählen und finanzieren

Die freigewordene Liquidität deckt den Eigenkapitalanteil. Die Bank stellt den Rest, abgestellt auf die Anlage – ohne Grundschuld auf dein Haus.

4

Anlage in Betrieb nehmen

Mit der Inbetriebnahme greifen Sonderabschreibung und degressive AfA. Ab diesem Zeitpunkt erwirtschaftet die Anlage eigene Erlöse und bedient den Kapitaldienst.

Rückwirkend

Auch Abfindungen aus 2023, 2024 und 2025 sind oft noch gestaltbar

Viele halten das Thema für erledigt, sobald der Bescheid im Briefkasten liegt. Häufig ist es das nicht.

Ein Investitionsabzugsbetrag kann nachträglich gebildet werden, solange der Steuerbescheid für das betreffende Jahr verfahrensrechtlich noch änderbar ist. Das ist der Fall, wenn er unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht, wenn er teilweise vorläufig ergangen ist oder wenn du fristgerecht Einspruch eingelegt hast.

Die dreijährige Investitionsfrist läuft ab dem Abzugsjahr. Ein IAB für 2024 verlangt also eine Anschaffung bis Ende 2027 – ein Zeitfenster, das für ein Projekt mit gesichertem Netzanschluss ausreicht, für ein spekulatives Vorhaben aber nicht.

Der erste Schritt ist immer derselbe

Lass deinen Steuerberater prüfen, unter welchem Vorbehalt dein Bescheid steht. Diese eine Auskunft entscheidet, ob wir über ein aktuelles oder über ein vergangenes Jahr sprechen. Sie kostet dich zehn Minuten.

Der teuerste Satz in diesem Zusammenhang lautet: „Das hätte ich letztes Jahr wissen müssen.“

Passung

Für wen das funktioniert – und für wen nicht

Wir sagen mehreren Interessenten pro Monat ab. Nicht aus Prinzip, sondern weil die Konstellation nicht passt – zu kleiner Betrag, zu kurzer Horizont, zu wenig Spielraum. Das ist unangenehm im Moment und richtig auf Sicht.

Für wen sich die steueroptimierte Anlage einer Abfindung eignet
SituationPasstWarum
Abfindung ab etwa 100.000 €, hohes übriges EinkommenSehr gutDer Grenzsteuersatz liegt im oberen Tarifbereich, jeder abgezogene Euro wirkt maximal.
Firmenverkauf mit VeräußerungsgewinnGutVergleichbare Konstellation. Zusätzlich ist der ermäßigte Steuersatz nach § 34 Abs. 3 EStG zu prüfen – das gehört vor den Vertragsabschluss.
Bonuszahlung oder Tantieme in ungewöhnlicher HöheGutAuch ohne Beendigung des Arbeitsverhältnisses greift der IAB, sofern ein Betrieb besteht.
Abfindung unter etwa 60.000 €Eher nichtDer Aufwand für Betriebsgründung und Anlagenprojekt steht in keinem sinnvollen Verhältnis zur Wirkung.
Liquidität wird in ein bis zwei Jahren gebrauchtNeinEine Anlage bindet Kapital über Jahre. Wer das Geld für einen Hauskauf oder eine Überbrückung braucht, sollte es nicht hier investieren.
Keine Bereitschaft zu unternehmerischem RisikoNeinEs handelt sich um ein Sachwertinvestment mit Marktpreisrisiko und der Möglichkeit des Totalverlusts. Wer das nicht tragen will, sollte die Steuer zahlen.

Häufige Fragen

Was uns Führungskräfte vor der Entscheidung fragen

Muss ich für den IAB wirklich ein Gewerbe anmelden?

Du brauchst Gewinneinkünfte, damit § 7g EStG greifen kann. In der Praxis heißt das: ein Einzelunternehmen oder eine Gesellschaft, die die Anlage hält und betreibt. Die Gründung selbst ist unkompliziert, die Wahl der Rechtsform gehört aber in die Hand deines Steuerberaters – sie hat Folgen für Haftung, Gewerbesteuer und spätere Übertragungen.

Funktioniert das auch bei einem Aufhebungsvertrag?

Ja. Steuerlich ist es unerheblich, ob die Abfindung auf einem Aufhebungsvertrag, einem Sozialplan oder einem gerichtlichen Vergleich beruht. Entscheidend ist der Zuflusszeitpunkt – er bestimmt, in welches Jahr die Zahlung fällt und für welches Jahr der IAB gebildet werden muss.

Hilft mir die Fünftelregelung als Spitzenverdiener?

Kaum. Die Fünftelregelung wirkt über die Tarifprogression. Wenn dein übriges Einkommen bereits im 42-Prozent-Bereich liegt, gibt es keinen Progressionssprung mehr zu glätten, und die Entlastung geht gegen null. Der IAB dagegen senkt die Bemessungsgrundlage selbst und wirkt gerade bei hohen Grenzsteuersätzen am stärksten.

Welche Risiken trägt ein Batteriespeicher-Investment?

Die wesentlichen sind: Marktpreisrisiko, weil die Erlöse aus Handel und Regelenergie schwanken; technisches Risiko durch Alterung und Ausfall; regulatorisches Risiko, etwa bei Netzentgelten; und Fertigstellungsrisiko, falls ein Projekt sich verzögert. Wir begegnen dem mit gesicherten Netzanschlüssen, vertraglich zugesagten Fertigstellungsterminen, Vollversicherung und einer Vorselektion, die deutlich mehr Projekte ablehnt als annimmt. Ein Totalverlust bleibt trotzdem möglich.

Warum Batteriespeicher und nicht Photovoltaik?

Steuerlich sind beide gleich behandelt. Wirtschaftlich unterscheiden sie sich erheblich: Eine PV-Anlage verdient dann am wenigsten, wenn alle anderen PV-Anlagen ebenfalls einspeisen – bei steigender Zahl negativer Strompreisstunden ein wachsendes Problem. Ein Speicher verdient genau an dieser Volatilität. Wir bieten beides an, empfehlen bei reiner Renditebetrachtung aber häufiger den Speicher. Die Abwägung im Detail steht in unserem Beitrag zum PV-Speicher-Direktinvestment.

Kann ich ohne Eigenkapital investieren?

In der Regel nicht vollständig. Banken erwarten üblicherweise 20 Prozent Eigenkapital, stellen die restlichen 80 Prozent aber ohne zusätzliche private Sicherheiten. Der entscheidende Punkt ist, dass die Steuerentlastung des ersten Jahres diesen Eigenkapitalanteil bei typischen Abfindungshöhen abdeckt.

Marvin Großkrüger

Gründer, GreenLife Investment GmbH

Marvin Großkrüger ist Gründer von GreenLife Investment und begleitet Unternehmer, Selbstständige und Spitzensteuerzahler bei Direktinvestments in Photovoltaik- und Batteriespeicheranlagen in Deutschland. Er verantwortet die Inhalte dieser Seite.

Bei der Erstellung dieses Beitrags wurden KI-gestützte Werkzeuge für Recherche, Strukturierung und Formulierung eingesetzt. Alle Aussagen, Zahlen und Rechtsquellen wurden vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft; die inhaltliche Verantwortung liegt bei Marvin Großkrüger.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Worauf sich dieser Beitrag stützt

  1. § 7g EStG – Investitionsabzugsbeträge und Sonderabschreibungen zur Förderung kleiner und mittlerer Betriebe — gesetze-im-internet.de/estg/__7g.html
  2. § 7 Abs. 2 EStG – degressive Absetzung für Abnutzung (Investitionsbooster) — gesetze-im-internet.de/estg/__7.html
  3. § 32a EStG – Einkommensteuertarif — gesetze-im-internet.de/estg/__32a.html
  4. BMF-Schreiben vom 15. Juni 2022 zu Investitionsabzugsbeträgen nach § 7g EStG, BStBl I 2022, 945 — bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/
  5. Gesetz für ein steuerliches Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland vom 18. Juli 2025, BGBl. 2025 I Nr. 161 — recht.bund.de/bgbl/1/2025/161/VO.html
  6. Wachstumschancengesetz vom 27. März 2024, BGBl. 2024 I Nr. 108 – Anhebung der Sonderabschreibung auf 40 % — recht.bund.de/bgbl/1/2024/108/VO.html
  7. § 34 EStG – Außerordentliche Einkünfte und Fünftelregelung — gesetze-im-internet.de/estg/__34.html
  8. § 32a EStG – Einkommensteuertarif, Tarifgrenzen 2026 — gesetze-im-internet.de/estg/__32a.html
  9. § 24 EStG – Entschädigungen als Einkünfte — gesetze-im-internet.de/estg/__24.html

Rechtsstand: 17. August 2026. Gesetzesänderungen nach diesem Datum sind nicht berücksichtigt. Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung im Einzelfall (§ 2 StBerG, § 3 RDG).

Der Bescheid kommt ohnehin

Ob er dich überrascht, entscheidest du in den Monaten davor. Im kostenfreien Erstgespräch klären wir, welches Fenster in deinem Fall noch offen ist.